Der Teppich hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht.

Hinweis: Dieser Artikel wurde in der Schublade „Mottenkiste“ abgelegt, es handelt sich daher um einen Archivbeitrag, Zeitangaben und aktueller Bezug sind mit Vorsicht zu genießen*. Bei dieser Filmbesprechung handelt es sich vermutlich um den Beginn meiner freien Schreiberei, weil ich mich mit diesem Artikel vor Ewigkeiten bei Schilfgewaechs.de beworben habe. Würde ich den Text heute noch genauso schreiben? Vermutlich nicht, insbesondere meine Interpretation scheint doch recht gewagt, andere Anspielungen des Films waren mit damals unbekannt. Aber vielleicht gefällt es Euch, was ein sehr viel jüngeres Ich über diesen schönen Film dachte.

„The Big Lebowski“ von Ethan & Joel Coen – Eine Besprechung

lebowski
© Universal Pictures

Jeffrey Lebowski: ein Mann wie ein Sitzsack. Zehn Jahre* sind vergangen, seit die Brüder Ethan und Joel Coen ihren Film um die Erlebnisse des Berufsfaulenzers mit dem Spitznamen „The Dude“ heraus brachten. Kasse und Kritik waren nicht begeistert, die spätere Fangemeinschaft dagegen umso mehr.Der Dude lebt ein einfaches Leben. Zwischen Bowling, Entspannungskassetten, Alkohol und gelegentlich einem kleinen Joint genießt er sein ereignisloses Dasein, in einer Gelassenheit die über simple Coolness weit hinaus geht. Die Probleme fangen damit an, dass sich eine Frau namens Lebowski finanziellen Ärger einhandelt. Obwohl es sich dabei natürlich nicht um die Gattin unseres versifften, ledigen Helden handelt, führt die Verwechslung mit seinem Namensvetter zu einem unerfreulichen Ereignis, das das Interieur des Dudes entscheidend verändert. Man mag es als persönlichen Fehler des Dudes ansehen, dass er nun mit seiner Trägheit bricht und aktiv wird. Aber sind wir doch ehrlich: niemand lässt sich gerne auf den Teppich pissen. „Der Teppich hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht.“ weiterlesen

Der Horror bei 9/10 – Was kann, darf, soll eine Filmkritik?

filmkritikFilmrezensionen, oder Filmkritiken, wie man sie auch gerne nennt, begleiten mich bereits seit ich mich für Filme interessiere. Angefangen über die in der Regionalzeitung abgedruckten Texte (meist von nicht-regionalen, freien Schreiberlingen), über die Inhaltszusammenfassungen inklusive Lobhudelei in den Textbeilagen zum Fastfood-Menü (meist via Copy&Paste aus den PR-Infos der Agenturen zusammengestückelt) bis hin zur oft unsachlich unsäglichen Kurzkritik in drei Zeilen plus Punktewertung die in sozialen Netzwerken gepostet werden.

Das Medium ist – wie so oft – egal. Der Text, die Rezension an sich muss etwas leisten können, egal wo er erscheint. Es ist vielleicht ein reiner Zufall, aber keineswegs unwichtig, dass ich schon in einer sehr frühen Phase meines unkoordinierten Hürdenlaufs durch die Medienwelt auf einen Vorgesetzten traf, der mir sagte: „Ich hasse Filmkritiker“.

Die augenscheinliche Autorität der Meinung

Das gab mir zu denken. Dieses Phänomen wird selten erwähnt, ist aber – so glaube ich – weit verbreitet. Wer lässt sich schon gerne sagen, was man gut finden soll? So werden Filmkritiker jedenfalls oft wahrgenommen, als leicht arrogante, eigentlich unqualifizierte Besserwisser, die an Lieblingsfilmen rummeckern und sogar gute Filme in ihrer Leistung schmälern wollen. Dabei kann, darf und soll der Kritiker nicht diktieren was dem Leser gefallen mag – auch wenn sein Ton das oft suggeriert.

Schnell ist man versucht, dem Kritiker zu unterstellen, dass er absichtlich alles schlechtfinden will, oder doch mindestens versucht überall etwas Negatives zu finden, statt den Film als solchen zu akzeptieren und zu versuchen ihn zu genießen. Nur ein abgrundtief bitterer Zyniker, jemand der vom Leben enttäuscht ist, kann fortweg solch bitterböse Kritiken schreiben, oder? Enttäuscht, nicht selbst Filme drehen zu dürfen, enttäuscht, dass niemand auf seine Meinung hört oder enttäuscht, weil selbst Jugendidole der cineastischen Geschmacksbildung mittlerweile Minderwertiges produzieren.

Manchmal stimmt das.

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